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Bodenprofil

Das im Lehrgarten Agrarwissenschaften gezeigte Bodenprofil stellt einen typischen Standort für die Filderebene dar. Der Boden ist tiefgründig, hat eine hohe Speicherfähigkeit für pflanzenverfügbares Wasser und ist natürlich reich an den Nährstoffen.

Bodenprofil

Beschreibung der Bodenprofile 1 und 2 im Lehrgarten Agrarwissenschaften

Bodenprofil 1

Das Bodenprofil stellt einen typischen Standort für die Filderebene dar. Es wurde früher beackert. Der Boden ist tiefgründig, hat eine hohe Speicherfähigkeit für pflanzenverfügbares Wasser und ist natürlich reich an den Nährstoffen Ca, Mg, K. Allerdings ist er leicht erodierbar. Der Boden hat sich aus zwei Lössen unterschiedlichen Alters (Würm- und Risseiszeit) gebildet.

Leicht pseudovergleyte Parabraunerde:
Bei einer Parabraunerde handelt es sich um einen Bodentyp, der sich bevorzugt aus mergeligen (Lehm + Kalk) Lockergesteinen bildet. Die ursprünglich vorhandenen Carbonate wurden ausgewaschen, wodurch der Boden schwach versauerte (zwischen pH 6,5 bis 5) und eine Tonverlagerung in Gang gebracht wurde (Bt-Horizont).
Stecknadelgroße schwarze Mangankonkretionen im Unterboden weisen auf eine Haftnässe-Pseudovergleyung hin
(Sw-Horizont).

Zeitliche Abfolge der bodenbildenden Prozesse an diesem Standort:
1. Carbonatauswaschung
2. Auswaschung von Neutralkationen (Ca, Mg) - schwache Versauerung
3. Tonverlagerung:
a. Mobilisierung der Tonminerale im Oberboden, 
b. Immobilisierung im Unterboden (Bt-Horizont)
4. Durch Porenverschluß langsamere Wasserbewegung im Unterboden: Pseudovergleyung

Ah (bis 10cm): Oberboden (A) mit Humusakkumulation (h), hauptsächlich durch die Wurzeln der Gründlandpflanzen.
rAp (10 – 40cm): reliktischer (r) Oberboden-Horizont (A), bei dem man eine Pflugsohle (p) erkennen kann: dieser Boden wurde alsoschon einmal ackerbaulich bewirtschaftet.
II(Sw)-Bt (40 – 95 cm): der für Parabraunerden typische Unterboden-Horizont (B), mit Tonverlagerung (t). Ein leichter
Stauwasser-Einfluss (S) ist zu erkennen (w = wasserführend). Hier beginnt das zweite ältere Lößpaket (II).
elCct (95 – 120 cm): Untergrundhorizont (C) aus mergeligem (e) Lockersediment (l); hier Löss. Neben dem Carbonat aus dem Löss ist auch Sekundärkarbonat (c) angereichert. In Trockenrissen sind Tonkutane sichtbar (t).
IIISw-elCc (ab 120 cm): zweiter Untergrundhorizont, der im Gegensatz zum darüberliegenden wieder Stauwassermerkmale aufweist (Sw). Auch hier ist der Kalk sowohl originär (geogen) aus dem Löss (e) als auch bodenbürtig (pedogen) durch Sekundärkarbonatausfällung (c), d.h. im Oberboden gelöstes Carbonat wird hier wieder abgesondert.

Bodenprofil 2

Dieses Bodenprofil ähnelt in der Klassifizierung dem ersten Lehrprofil, da es dieselben boden-bildenden Prozesse aufweist. Dennoch ist es hinsichtlich seiner Standortseigenschaften ganz anders, denn seine Gründigkeit ist durch ein Steinpaket beschränkt, das den Wurzelraum begrenzt. Dadurch sinken Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit und Wasser kann langsamer versickern. Dieses Profil entwickelte sich aus drei Gesteinen: Löß (oben), Sandstein, Tonstein.

Pseudogley-Parabraunerde:
Wie sein Gegenüber ist das Bodenprofil 2 polygenetisch entstanden. Das heißt, dass die bodenbildenden Prozesse in verschiedenen Klimaphasen stattgefunden haben. Der Beginn dieser Bodenbildung geht bis in die Eiszeitphase (Pleistozän) zurück, in der es auch verschiedene Warmphasen wie die gegenwärtige gab.
Ausdruck der letzten Eiszeit ist z.B. das durch Hangfließen (Solifluktion) aufgelockerte Angulatensandsteinpaket. Zusammen mit dem verwitterten Tonstein darunter, beschränkt es die vertikale Versickerung. Daher  sind hier die Wasserstaumerkmale (Pseudovergleyung - S-Horizonte) stärker als im Lehrprofil 1 und beginnen schon höher im Profil. Dies führt zur stärkeren Betonung der Pseudovergleyung in der Klassifikation. 
Der Wasserstau im Profil führte auch dazu, dass hier ein Drainage angelegt wurde. Diese kann zwar die zeitweise Wassersättigung im Boden mildern, aber nicht den Wurzelraum erweitern.

Ap1: Oberboden (A), geprägt durch die Saatbettbearbeitung (p), dadurch feinkrümelig.
Ap2: Zweiter Oberboden-Horizont (A), bei dem man die Bearbeitungstiefe durch den Pflug (p) noch erkennen kann. Der Farbsprung im Horizont ist durch die Befeuchtungsgrenze nach einem Regen bedingt.
Sw-Bvt: Unterboden-Horizont (B) mit Verbraunung (Eisenoxidbildung) und Verlehmung (Tonmineralneubildung) (v), und Tonverlagerung (t). Hier beginnen auch Stauwassermerkmale (S), hauptsächlich gekennzeichnet durch Eisen- und Mangankonkretionen (w).
IIBt-Sw: Hier beginnt das zweite Gesteinspaket (II), der Angulatensandstein aus dem Schwarzen Jura. Der Unterbodenhorizont (B) ist geprägt von dem hohen Skelettanteil (60 Vol.%) mit horizontaler Ausrichtung (als Hinweis auf Solifluktion = Hangfließen). Beides führt zu einer Beschränkung des vertikalen Wasserflusses (Versickerung) und damit zu Stauwassermerkmalen (Sw). Gleichzeitig wird der Wurzelraum beschränkt.
IIIBt-Swd: Der unterste Horizont ist gesteinsfrei. Es handelt sich um eine Tonsteinschicht innerhalb des Angulatensandsteinpakets (III). Das Material lagert sehr dicht (d) und weist stellenweise Bleichungen als Hinweis auf Stauwasser (S) auf.

Vergleich der Eigenschaften Bodenprofil 1 + 2